Unverschämt oder überfällig? WSOP führt Dealer-Bewertungen ein!

WSOP 2021 (Foto: PokerGO.com)

Wer mit Schiedsrichterentscheidungen im Fußball hadert, ist wahrscheinlich auch schneller mit Kritik an Poker-Dealern. Die kann sowohl berechtigt sein, oder auch mal sehr gefühlsgetrieben nach einem Bad Beat oder einer langen zeit ohne gute Hände auftreten. Zur World Series of Poker 2026 bieten die Veranstalter über die WSOP Live App jetzt das Feature an, die Dealer am eigenen Tisch zu bewerten. Laut Aussage vom WSOP (Presse)Sprecher Jeff Platt auf Twitter, sollen bei guten Bewertungen finanzielle Bonuszahlungen an die Dealer möglich werden, so wie die Dealerauswahl für wichtige Events, oder wahrscheinlich auch die Finalphasen von Turnieren verbessert werden. – Sind Dealer damit jetzt der Laune der Pokerspieler ausgeliefert oder kommt eine Welle von dem Erbitten guter Bewertungen auf die Spieler am Tisch zu. Was meint ihr: Ist das neue Feature Fluch oder Segen, fair oder anmaßend für Spieler und Dealer?

WSOP Live App

Dealer-Bewertung in der WSOP App

Die WSOP Live App ist für alle Spieler bei der WSOP das Werkzeug für alles. Von der Anmeldung, über die Verwaltung von Tickets, über Schedules, bis hin zu den Infos über die Spieler an den Tischen oder deren Chipcounts. Zur World Series of Poker 2026 in Las Vegas wollen die Veranstalter der Poker Weltmeisterschaft darüber ein Bewertungsfeature live schalten, dass bei Beurteilung der aktuellen Kartengeber auf einer Skala von 1 bis 5 ermöglicht.

Die nur intern verfügbaren Ergebnisse sollen den Organisatoren dienen die richtigen Dealer für die wichtigen Spots in den Turnieren zusammenzustellen. Außerdem sollen den besten Dealern finanzielle Boni in Aussicht gestellt werden, sowie mehr Einsätze oder bei hinzugebuchten Dealern eine Festanstellung.

$500.000 Trinkgeld wie Andreas Daniel hier von James Bond erhält, sind wohl auch mit den besten Bewertungen nicht drin…

Pro und Kontra

Auf der positiven zu sehen sind natürlich die Aufstiegschancen von neuen Dealern, die in herkömmlichen Casino-Systemen oft lange (Jahre) ihre Skills beweisen müssen, ehe der Aufstieg in der Hierarchie möglich wird. Oftmals müssen dazu Punkte oder Dienstjahre gesammelt werden, die mehr nach Quantität als auf Qualität ausgerichtete sind. Zudem können die Spielermassen der WSOP nicht allein durch das feste Personal von Ballys oder dem Horseshoe gedeckt werden, wodurch viele externe Dealer hinzugebucht werden. Gerade für die dürfte ein System wie es die WSOP jetzt einrichtet beruflich neue Chancen eröffnen.

Für die Spieler bietet das Bewertungssystem vor allem die Chance auf Schwächen im Regelwerk, der Geschwindigkeit oder dem Umgang mit den Menschen am Tisch hinzuweisen. Fälle in denen vor allem hinzugebuchte Dealer noch einmal nach den aktuellen oder den Hausregeln nachfragen müssen, oder in weniger häufig gespielten Mixed Varianten Unsicherheiten zu erkennen sind, haben viele Spieler sicher schon einmal erlebt. Auch die Tatsache, dass bei manchen Dealern aufgrund der Austeil- und Zählgeschwindigkeit gerade einmal die Hälft der gespielten Hände vom Nachbartisch zustande kommt, haben viele am Pokertisch schon einmal erfahren. Und nicht zuletzt spielt der Umgang mit Spielern eine Rolle: Eine*n Kartengeber*in, die im Bellagio das juicygste und unterhaltsamste NL500 Cash Game mit zahlreichen Verwarnungen und der Aussage, dass sie sonst in Bobby’s Room deale und wir froh sein könnte, dass sie sich mit uns abgebe, hätte man glaube ich gerne kollektiv bewertet.

Neben den Einzelfällen, wo eine schlechte Atmosphäre vom Dealer ausgeht, gibt es die deutlich häufig anzutreffenderen Ausfälle von Spielern gegenüber Dealern. Vom Aberglaube, dass ein bestimmter Kartengeber Pech bringe, über frauenfeindliche Attitüden, bis hinzu zu Anfeindungen aufgrund von Bad Beats oder langen Phasen des Card-Dead-Seins, sind diese Arten von Kritik immer noch weit verbreitet. Viele Maulhelden nutzen auch die Stummheit der Dealer für Sprüche gegen diese. – Von Personen, die ihren Frust in welcher Weise auch immer am Dealerpersonal auslassen, möchte man sicher keine Troll-Bewertungen in der App haben.

Jeff Platt auf Twitter zu Dealer-Bewertungen

Kritik und Lob von den Pros

Jeremy Ausmus

David Lappin

BCPoker

Shaun Deeb

Jeff Boski

Dylan Linde

Niall Farrell

Jonathan Tamayo

QuelleWSOP.com
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Jan Schwarz

Jan Schwarz hat in Bamberg, Hannover und an der DJH in Aarhus (DK) Journalistik studiert. Er schreibt seit drei Jahrzehnten für Tageszeitungen, Sportmagazine und Sportagenturen. Vor allem seine Recherchearbeit zeichnet ihn aus. Seit 2006 war er für fast alle gängigen Pokermedien im Einsatz, u. a. als Chefredakteur von „donkmag“ und „Pokerblatt“. Am Pokertisch war und ist er rund um den Globus an den Turniertischen zu finden. Im WSOPE Main Event 2008 in London war er als 42. bester deutschsprachiger Teilnehmer. – Neben Poker verfolgt der sportbegeisterte Redakteur vor allem Motorsport, Radsport, Tennis und Politik. Außerdem ist er im Bereich Trading Cards und Collectibles ein wandelnder Almanach.