Papst Leo XIV. warnt vor Glücksspiel: «Zerstört viele Familien»

0
Der Papst rügt das Glücksspiel.
Der Papst rügt das Glücksspiel.
  • Papst Leo XIV. über Glücksspielsucht: «Ernste Geissei» für Familien und Gesellschaft.
  • Solange es im Rahmen bleibt: Die katholische Kirche betrachtet Glücksspiel nicht als Sünde.
  • 100’000 Dollar für seine Gemeinde: Ein US-Priester gewann 2009 bei einer PokerStars-Gameshow.

Der Vatikan meldet sich zum Thema Glücksspiel zu Wort. Bei einer Audienz mit dem Nationalen Verband Italienischer Kommunen am 29. Dezember richtete Papst Leo XIV. mahnende Worte an die rund 200 anwesenden Bürgermeister. Im Apostolischen Palast sprach das Kirchenoberhaupt über soziale Missstände in italienischen Städten und nahm dabei auch das Glücksspiel ins Visier. Die päpstliche Mahnung dürfte auch in der Schweiz auf Interesse stossen, wo rund 35 Prozent der Bevölkerung katholisch sind.

«Ich möchte insbesondere auf die Geissel des Glücksspiels aufmerksam machen, die viele Familien zerstört», erklärte der Pontifex. Unter Berufung auf den jüngsten Armutsbericht von Caritas Italien betonte er, dass Spielsucht ein ernstes Problem für Bildung, psychische Gesundheit und soziales Vertrauen darstelle. Die Statistiken würden einen starken Anstieg des Glücksspiels in Italien in den vergangenen Jahren belegen.

Moderation statt Verbot

Die scharfen Worte bedeuten allerdings keinen grundsätzlichen Kreuzzug gegen Poker und Co. Die katholische Kirche vertritt traditionell eine differenzierte Haltung zum Thema. Glücksspiel an sich gilt nicht als Sünde. Zahlreiche Kirchengemeinden veranstalten sogar Bingo-Abende zur Finanzierung ihrer Aktivitäten.

Der Katechismus der Katholischen Kirche formuliert es so: Glücksspiele und Wetten seien nicht grundsätzlich verwerflich. Sie würden erst dann moralisch inakzeptabel, wenn sie Menschen dessen beraubten, was sie für ihre eigenen Bedürfnisse und die ihrer Angehörigen benötigten. Die Leidenschaft für das Spiel berge das Risiko, zur Versklavung zu werden.

Die Organisation Catholic Answers fasst die Position pragmatisch zusammen: Durchschnittliche Spieler verlieren Geld, aber der Prozess sei unterhaltsam. Glücksspiel sei letztlich nichts anderes, als Geld für Unterhaltung auszugeben. Daran sei nichts Verwerfliches. Problematisch werde es erst, wenn jemand zu viel für dieses Vergnügen bezahle.

Poker: Ein Sonderfall?

Der Papst erwähnte Poker in seiner Ansprache derweil nicht explizit. Seine Kritik richtete sich allgemein gegen Glücksspielsucht und deren gesellschaftliche Folgen. 

Poker nimmt in der Debatte ohnehin eine Sonderstellung ein. In zahlreichen Ländern wird es als Geschicklichkeitsspiel eingestuft, bei dem Strategie, Mathematik und Menschenkenntnis den langfristigen Erfolg bestimmen und nicht reines Glück wie bei Spielautomaten oder Roulette.

Pokernder Priester als Paradebeispiel

Dass Kartenspiel und Glauben durchaus vereinbar sein können, bewies Father Andrew Trapp aus South Carolina eindrücklich. Der Geistliche gewann 2009 bei der PokerStars Million Dollar Challenge 100’000 Dollar. In der Gameshow setzte er sich gegen drei Kontrahenten durch, darunter niemand Geringeres als Daniel Negreanu. Während der entscheidenden Hand hielt Trapp einen Rosenkranz in der Hand.

Das Preisgeld spendete der Priester seiner Gemeinde St. Michael’s in Garden City. Gegenüber der Zeitung The Catholic Miscellany erklärte er, stolz darauf zu sein, dass ihm alle bescheinigten, die Priesterschaft und die Kirche positiv repräsentiert zu haben. Der Gewinn für seine Gemeinde mache die Sache noch besser.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein