Sperrlistenabkommen besiegelt das Ende des Liechtensteiner Casino-Booms

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Schloss in Liechtenstein
  • Rund 100’000 Personen sind betroffen: Seit Januar 2025 gelten Schweizer Spielsperren auch in Liechtenstein.
  • Um 59 Prozent: Die Bruttospielerträge der Casinos sanken im ersten Quartal 2025.
  • Schwere Folgen: Mehrere Spielbanken mussten bereits schliessen, der Casinoverband hat sich aufgelöst.

Was noch vor wenigen Jahren als goldene Ära der Liechtensteiner Glücksspielbranche galt, ist mittlerweile Geschichte. Das kleine Fürstentum, das zeitweise ein Casino pro 5’000 Einwohner beherbergte, erlebt seit Anfang 2025 einen dramatischen Niedergang seiner Spielbanken. Auslöser ist der Sperrlistenaustausch mit der Schweiz, der im Januar vergangenen Jahres in Kraft trat.

Die Auswirkungen sind verheerend. Personen, die in der Schweiz mit einer Spielsperre belegt sind, dürfen seither auch im Nachbarland nicht mehr an Spieltischen oder Automaten ihr Glück versuchen. Betroffen sind gemäss Berichten von CH Media rund 100’000 Schweizerinnen und Schweizer. Für die Liechtensteiner Casinos bedeutet das den Verlust eines erheblichen Teils ihrer Kundschaft.

Rekordergebnis 2024, dann der Absturz

Die Zahlen verdeutlichen das Ausmass der Krise. Im Jahr 2024 erwirtschafteten die Spielbanken im Ländle noch einen Bruttospielertrag von 140,8 Millionen Franken und damit einen Rekordwert. Allein die Geldspielabgabe spülte damals 52,8 Millionen Franken in die Staatskasse. Bereits im ersten Quartal 2025 brachen die Erträge jedoch um 59 Prozent ein, wie das zuständige Ministerium bestätigte. Einzelne Häuser verzeichneten Umsatzrückgänge von bis zu 85 Prozent.

Schliessungswelle trifft auch die Pokerszene

Die Konsequenzen liessen nicht lange auf sich warten. Von den sechs Casinos, die Ende 2024 noch existierten, haben inzwischen zwei weitere ihre Türen geschlossen. Selbst das Casino Admiral in Ruggel, das 2017 als erste Spielbank des Landes eröffnet, musste im September 2025 den Betrieb einstellen. Der Bruttospielertrag war zuvor um 63 Prozent eingebrochen. 

Mit den Schliessungen verschwinden auch Pokertische und Turnierangebote, die für viele Schweizer Spieler eine attraktive Alternative zu den heimischen Casinos darstellten. Sogar der Casinoverband Liechtenstein hat sich mittlerweile aufgelöst.

Politischer Druck und rechtliche Gegenwehr

Die Schwierigkeiten der Casinos begannen allerdings nicht erst mit dem Sperrlistenabkommen. Politische Vorstösse wie eine Verfassungsinitiative für ein generelles Casino-Verbot setzten die Branche bereits früher unter Druck. Die Regierung reagierte mit einer Erhöhung der Geldspielabgabe, neuen Vorschriften zum Verhältnis von Spieltischen und Automaten sowie einem Bewilligungsmoratorium bis Ende 2025.

Der Casinoverband versuchte, sich juristisch gegen den Sperrlistenaustausch zu wehren. Die Regierung kam den Betreibern daraufhin mit Anpassungen bei Tischöffnungszeiten und Gratisspielabgaben entgegen. Für die Branche reicht das aber bei weitem nicht aus. Martin Frommelt, Sprecher des Casino Schaanwald, kritisiert gegenüber CH Media, die Politik habe entgegen ihrer Ankündigungen laufend in den Markt eingegriffen und die Rahmenbedingungen massiv verschlechtert.

Staatliche Unterstützung für die gebeutelten Liechtensteiner Casinos ist derzeit nicht vorgesehen.

Grand Casino Liechtenstein: Erfolgsrezept Poker

Inmitten der Branchenkrise sticht das Grand Casino Liechtenstein in Gamprin-Bendern als Ausnahme hervor. Die 2019 eröffnete Spielbank hat sich konsequent auf Poker spezialisiert. Der jüngste Coup war der Zuschlag für den WSOP Circuit 2026, der vom 26. Februar bis 10. März im Fürstentum stattfinden wird. 

Während andere Casinos unter dem Wegfall von Spielautomaten-Kunden leiden, zieht das GCLI mit spielerfreundlichen Konditionen weiterhin Pokerspieler aus der gesamten Region an. Das unterschiedliche Klientel (Pokerspieler sind seltener von Spielsperren betroffen als klassische Automaten- oder Tischspieler) dürfte das Grand Casino Liechtenstein zumindest teilweise vor den Auswirkungen des Sperrlistenabkommens schützen.

Hintergrund: Schweizer Online-Casinos treiben Sperrzahlen

Der massive Anstieg der Spielsperren in der Schweiz hängt eng mit der Einführung legaler Online-Casinos zusammen. Seit 2019 vergibt die Eidgenössische Spielbankenkommission entsprechende Konzessionen. 

Das niederschwellige Angebot rund um die Uhr führt zu mehr problematischem Spielverhalten. Während zuvor jährlich etwa 3’500 Sperren ausgesprochen wurden, stieg diese Zahl bis 2024 auf über 18’000 an.

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