
Die Schweizerische Post steht erneut wegen Glücksspielwerbung in der Kritik. Nachdem bereits Werbung für Online-Casinos auf Postquittungen für Diskussionen gesorgt hatte, erscheinen entsprechende Anzeigen nun auch auf den Wartetickets in den Filialen. Suchtexperten und Politiker sehen darin ein problematisches Signal, während die Post ihr Vorgehen mit gesetzlichen Vorgaben verteidigt.
Besonders kritisch wird gesehen, dass Kunden während der Wartezeit mehrfach auf die Werbebotschaften blicken. Damit rückt die Diskussion über den Umgang mit Glücksspielwerbung in der Schweiz erneut in den Fokus.
Kritik an neuer Werbefläche
Bis Ende 2025 nutzte die Post die Wartetickets überwiegend für Eigenwerbung. Seit Anfang 2026 können auch externe Unternehmen diese Fläche buchen – darunter lizenzierte Schweizer Casinos. Nach Ansicht von Kritikern erreicht die Werbung dadurch ein besonders breites Publikum, darunter auch Jugendliche.
SP-Nationalrat Ueli Schmezer kritisierte die Ausweitung deutlich. Während eine Quittung häufig sofort entsorgt werde, würden Kunden ihr Warteticket mehrfach betrachten. Dadurch steige die Sichtbarkeit der Casino-Werbung erheblich.
Post verweist auf gesetzliche Verpflichtungen
Die Schweizerische Post weist die Vorwürfe zurück. Nach eigenen Angaben unterliegt sie bei der Vermarktung ihrer Werbeflächen dem Gleichbehandlungsgebot und darf legale Werbekunden grundsätzlich nicht ausschließen. Solange Inhalte nicht gegen Gesetze verstoßen, könne die Post keine willkürliche Auswahl treffen.
Auch der Bundesrat hatte diese Auffassung bereits in einer früheren Stellungnahme gestützt. Ein Ausschluss einzelner legaler Branchen könnte demnach als Ungleichbehandlung gewertet werden.
Suchtexperten warnen vor Glücksspielwerbung
Präventionsorganisationen sehen die Entwicklung dagegen kritisch. Bereits in der Vergangenheit hatten Experten darauf hingewiesen, dass Glücksspielwerbung die Spielbereitschaft erhöhen und insbesondere gefährdete Personen beeinflussen könne. Bonusangebote und Freispiele gelten dabei als besonders problematisch.
Der Schweizer Casino-Verband verweist hingegen darauf, dass ausschließlich lizenzierte Anbieter werben und sämtliche gesetzlichen Vorgaben zum Spielerschutz eingehalten würden. Das größere Risiko gehe nach Ansicht des Verbands von illegalen Online-Casinos ohne wirksame Schutzmaßnahmen aus.
Forderungen nach strengeren Regeln
Die Debatte dürfte die Schweizer Politik weiter beschäftigen. Schmezer fordert strengere Werbevorschriften nach internationalem Vorbild. Als Beispiel nennt er die Niederlande, wo Glücksspielwerbung deutlich stärker eingeschränkt ist und Werbetreibende nachweisen müssen, dass ihre Kampagnen überwiegend Erwachsene erreichen.
Ob die gesetzlichen Vorgaben künftig verschärft werden, bleibt offen. Der Bundesrat überprüft derzeit das Geldspielgesetz, wobei unter anderem die Auswirkungen von Glücksspielwerbung auf den Spielerschutz untersucht werden. Ergebnisse der Evaluation werden bis Ende 2026 erwartet.









