
Die Schweizer Behörden schlagen Alarm: Illegales Glücksspiel entwickelt sich zunehmend zu einem Betätigungsfeld der organisierten Kriminalität. Nach Angaben der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) stoßen Ermittler bei der Bekämpfung illegaler Anbieter jedoch immer häufiger an rechtliche Grenzen. Grund dafür ist ein Verwaltungsstrafrecht aus dem Jahr 1974, das nach Ansicht der Behörden längst nicht mehr zu den heutigen Herausforderungen passt.
Während der legale Glücksspielmarkt in der Schweiz 2025 Bruttospielerträge von rund 878 Millionen Schweizer Franken erzielte, profitieren auch illegale Betreiber von der hohen Nachfrage. Allein im vergangenen Jahr eröffnete die ESBK 105 neue Verfahren, führte 28 Hausdurchsuchungen durch und ließ 580 illegale Internetseiten sperren.
Ermittler sehen sich ausgebremst
Nach Angaben der ESBK fehlen den Ermittlern wichtige Instrumente, die in anderen Strafverfahren längst üblich sind. So können beispielsweise keine Telefonüberwachungen angeordnet oder Personen wegen Wiederholungsgefahr in Haft genommen werden. Auch die Abschöpfung illegal erzielter Gewinne gestaltet sich häufig schwierig, da deren Herkunft eindeutig nachgewiesen werden muss.
Ein weiteres Problem: Nach Razzien können Betreiber illegaler Spiellokale ihre Aktivitäten teilweise schon kurze Zeit später wieder aufnehmen, da den Behörden bislang die rechtliche Grundlage für eine sofortige Schließung oder Versiegelung der Räumlichkeiten fehlt.
Organisierte Kriminalität wird digitaler
Nach Einschätzung der Spielbankenkommission agieren kriminelle Netzwerke heute international, digital vernetzt und hochprofessionell. Illegale Online-Casinos und Wettplattformen wechseln regelmäßig Domains oder Serverstandorte und erschweren dadurch die Strafverfolgung erheblich. Gleichzeitig entgehen dem Schweizer Staat erhebliche Einnahmen aus Glücksspielabgaben.
Die ESBK sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf und fordert moderne gesetzliche Grundlagen, die den aktuellen Entwicklungen des Online-Glücksspielmarktes Rechnung tragen.
Forderung nach moderneren Ermittlungsbefugnissen
ESBK-Präsident Fabio Abate spricht sich für eine umfassende Reform des Verwaltungsstrafrechts aus. Nach Ansicht der Behörde benötigen Ermittler zeitgemäße Befugnisse sowie zusätzliche personelle Ressourcen, um gegen international organisierte Glücksspielnetzwerke wirksam vorgehen zu können. Auch eine eigene Gerichtspolizei wird als mögliche Lösung diskutiert.
Das zuständige Bundesdepartement arbeitet derzeit an Vorschlägen zur Modernisierung des Verwaltungsstrafrechts. Ob die Forderungen der Spielbankenkommission vollständig umgesetzt werden, ist jedoch noch offen.
Kampf gegen illegales Glücksspiel bleibt eine Daueraufgabe
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen, dass der Druck auf illegale Glücksspielanbieter zwar zunimmt, die Behörden den kriminellen Strukturen jedoch häufig hinterherlaufen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung dürfte der Kampf gegen nicht lizenzierte Online-Plattformen und organisierte Netzwerke in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.









