Matt Damon und Edward Norton pokern wieder

Der Pokerfilm Rounders wird fortgesetzt und wieder werden die Hollywoodstars Matt Damon und Edward Norton am Pokertisch Platz nehmen. Aber mal ehrlich: Der eine oder andere Gaul wird von der Filmindustrie doch  totgeritten. Die Studios in Hollywood sind bekannt dafür, selbst den besten Traber unter die Erde zu bringen. Kaum das ein Streifen die Gunst des Publikums erobert hat, wird schon an der Fortsetzung gebastelt, beginnt der Todesritt. Einmaligkeit, das Unikat, zählt nicht mehr im Business der Bewegtbilder. Alles was die Kinokasse klingeln lässt, wird doppelt, dreifach, fünffach fortgesetzt. Der Beispiele gibt es viele: Terminator, Alien, From Dusk Till Dawn. Für den Blockbuster Independence Day wurde sich in Hollywood vor kurzem auf zwei weitere Filme geeinigt (surprise-surprise).

Jetzt ist der 1998 gedrehte Pokerfilm Rounders dran. Im Lexikon des Internationalen Films wurde der Streifen gelobt als unterhaltsam erzählte und solide inszenierte Komödie aus der Spielerszene. Mit der für 2012 angekündigten Fortsetzung Rounders 2, bei der wieder Matt Damon (40), Edward Norton (41), Gretchen Mol (38) und John Gavin Malkovich (57) die Hauptrollen besetzen, verliert der Kultfilm seine Einmaligkeit.

Damon und Norton spielten im ersten Teil zwei junge Poker-Buddies, die ihr Glück in Spelunken und Underground Clubs der 2.Liga des Berufskartenspiels suchen. Ihr Gegenspieler ist der von John Malkovich überzeugend präsentierte russische Mafioso Teddy KGB. Die weibliche Rolle wurde von der ehemaligen Coca-Cola-Werbefee Gretchen Mol ausgefüllt. Bei der Handlung fiel die hübsch anzusehende Blondine allerdings nicht ins Gewicht.

Selbstredend sind die Pokerheros Damon und Norton im filmischen Showdown erfolgreich und es gibt das vorhersehbare Happyend. Das nimmt dem Film die Spannung und erhöht das wirtschaftliche Risiko. Ein Streifen, bei dem nach zehn Minuten klar ist, wohin die Reise geht und wo sie endet, der kann beim Kinopublikum absaufen wie einst die Titanic im Nordatlantik. Dies mag der Grund gewesen sein, warum Rounders erst 2006 in Deutschland veröffentlicht wurde. Aber nicht im Kino, sondern auf DVD.

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Bei Rounders 2, einem Gemeinschaftsprojekt der Weinstein Company und Miramax, soll alles besser werden. Der neue Dreh greift Aspekte des Onlinepoker auf, führt die Protagonisten tief ins dunkle Tal der Internet-Kriminalität und an die virtuellen Tische. Klar, macht Sinn: Die Welt hat sich verändert. Um das für Pokerthemen empfängliche Publikum anzuspitzen, wird frühzeitig der Name eines Poker-Superstars mit dem zweiten Teil in Verbindung gebracht: Tom Dwan! Der Highroller und Full Tilt Pro soll in die Fußstapfen von Johnny Chan treten, der eine Gastrolle in Rounders inne hatte.

Natürlich liefern die vielschichtigen Charaktere und die seit 1998 gewachsene virtuelle Pokerszene, die durch den Siegeszug des Onlinespiels nicht auszuklammern ist, genug Ansätze für einen neuen Dreh. Doch die Frage sei erlaubt: „Muss das wirklich sein?“ Cincinnati Kid, 1965 mit Steve McQueen und Edward G. Robinson in den Hauptrollen gedreht, brauchte bisher auch keinen zweiten Teil, um nach wie vor als Filmklassiker zu überzeugen, der  heute noch sein Publikum mühelos findet.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass der inflationäre Ansatz „Wir machen eine Fortsetzung!“ lediglich in Ermangelung an guten Drehbüchern und auf der Suche nach risikoarmen Einnahmequellen entsteht. Oder in einer Mittagspause in einer Kantine von Hollywood, ausgelöst durch den spitzen Schrei eines Praktikanten: „Hey, ich hab ne dufte Idee. Drehen wir Rounders 2“.

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