Promis & Poker: „Habe mir zum Pokern den Wecker gestellt!“ – Diskus-Olympiasieger Lars Riedel im Kurzinterview!

Lars Riedel bei Ewige Helden (Foto: 9EkieraM1, CC BY-SA 3.0)

Immer mehr Promis aus Musik, Entertainment oder Sport greifen zu den Pokerkarten. Auch beim diesjährigen „Darts meets Poker„, das am Wochenende in der Motorworld München von der PDC Europe und HAPEK veranstaltet wird, wird an jedem Tisch mindestens ein Promi sitzen. Jemand, der das Charity Event schon auf der Seite der Promis miterlebt hat, ist Diskus-Olympiasieger Lars Riedel. Der fast 2 Meter große (1,99m) „Herr der Ringe“, hat als Leichtathlet etliche Medaillen gewonnen, meistens die aus Gold: 1-mal war er Europameister, 5-mal Weltmeister. Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta konnte er mit Olympischem Rekord von 69,40m die Goldmedaille erwerfen. 2008 beendete der Träger des Silbernen Lorbeerblattes seine aktive Karriere. Seine Bestleistung ist eine erzielte Weite von 71,50m!

Nach seiner Karriere im Diskusring zeigte der Sachse in verschiedenen TV-Formaten, dass er immer wieder für einen Spaß oder eine Herausforderung zu haben ist. U.a. war er beim Promi-Special von Ninja Warrior Germany, beim Promiboxen, im Format Ewige Helden, bei Gefragt-Gejagt oder Let’s Dance zu sehen. Mit Poker und auch Online Poker ist der 58-Jährige weit vor dem Moneymaker-Boom bereits in Kontakt gekommen und genießt auch heute noch den Wettkampf am grünen Filz. – Mit hochgepokert hat er sich zu einem Kurzinterview getroffen:

Jan Schwarz: Hallo Lars! Du warst selber schon bei diversen Pokerformaten live im Einsatz, u.a. auch bei „Darts meets Poker“. Wie ist es Dir dort ergangen?

Lars Riedel: Ich war dort leider der erste Promi, der aus dem Turnier ausgeschieden ist. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich den Turnierablauf glaube ich falsch verstanden hatte.

Jan Schwarz: Wie meinst Du das?

Lars Riedel: Ich bin davon ausgegangen, dass 20-30 Minuten gespielt wird, und dann derjenige mit den meisten Chips am Tisch eine Runde weiterkommt. So war’s dann aber halt nicht. – Und in der ersten halben Stunde hatte ich kein einziges Blatt getroffen. Als ich dann A2 gespielt habe, hab ich dann auch gleich das Ass getroffen, und dachte mir, dass ich den Topf damit ziehen könnte. Dementsprechend hab ich auch Gas gegeben. Jemand anders am Tisch zog dann gleich mit, und ein Dritter auch. Aber ich dachte mir, jetzt musste auch mal reingehen, und die letzten beiden Karten machten bei meinem Gegenüber dann die Große Straße perfekt. Kann passieren.

Top-Pair Asse verliert gegen Broadway Straight: Lars Riedel übergibt seine Bounty-Prämie (Foto: Darts meets Poker)

Jan Schwarz: Sonst spielst du aber nicht direkt Harakiri, oder? (lacht)

Lars Riedel: Wenn mir bewusst gewesen wäre, dass ich in meinem Heat erst einmal zwei Stunden Zeit bis zum Finale gehabt hätte, dann hätte ich erst einmal schööön gewartet und mir das Geschehen am Tisch angeguckt. So, dass man erst einmal ins Geld kommt. Aber mit dem vermeintlichen Zeitdruck im Kopf, meinte ich, dass ich auf jeden Fall etwas unternehmen müsste, nicht dass Tisch zu Ende ist, und ich gar nicht aktiv gespielt habe.

Jan Schwarz: Dass hört sich ganz danach an, dass Du bereits einige Pokerfahrung gesammelt hast … die allerdings in bestimmten Turnierformaten.

Lars Riedel: Also, wo es damals mit Internet Poker losging, das war so 1999/2000 zu meiner Trainingszeit, da war ich noch voll im Leistungssport und Poker war für mich einfach ne geile Sache abends am Computer Poker zu spielen. Ich hab mir dann immer um 1 Uhr nachts einen Wecker gestellt, sonst hätte ich einfach die ganze Nacht durchgezogen. In der Zeit habe ich viele Runden, viele Hände gespielt und hab mitbekommen, wie „es so geht“. Auch, dass man nicht immer die guten Karten zum gewinnen braucht, sondern mit großen Stacks auch mal ein bisschen Druck ausüben kann – und das macht mir Spaß!

Jan Schwarz: Bist Du dem Poker seitdem denn treu geblieben.

Lars Riedel: Nein, ich hatte Poker eine ganz ganz lange Zeit weggelassen, erst als die BILD-Zeitung mich 2024 zu ihrem Pokerturnier einlud, habe ich dann die 6 Wochen davor wieder gespielt … und das hat Spaß gemacht (lacht), weil die Erinnerungen wieder hoch kamen.

Jan Schwarz: Was fasziniert dich denn am Poker? Also außer als Bigstack Druck auszüben?

Lars Riedel: Mir gefällt es im Poker die Entscheidungen zu treffen – machst’es oder machst’es nicht?!

Jan Schwarz: Können diejenigen, die nicht BILD-Zeitungspoker spielen oder keine Tickets mehr für „Darts meets Poker“ ergattern konnten, denn auch an anderer Stelle gegen dich spielen?

Lars Riedel: Och, wenn ich mitbekomme, dass etwas Ähnliches stattfindet, bin ich sehr gerne dabei.

Jan Schwarz: Dann hoffe ich, dass hier die richtigen Organisationen oder Casinos das Interview lesen und sich bei dir melden.

Lars Riedel: Ja, ich wohne am Tegernsee, und nach Innsbruck oder Salzburg ist es nicht weit (lacht).

Lars Riedel (Foto: Darts meets Poker)
Lars Riedel (Foto: Darts meets Poker)

Jan Schwarz: Als ich dich am Pokertisch gesehen habe, hatte ich das Gefühl, dass es dir so richtig getaugt hat, und du als Promi nicht nur gute Laune vorgespielt hast.

Lars Riedel: Das macht einfach Gaudi! Poker heißt für mich, sich in etwas auszuprobieren was man noch nicht perfekt kann, es bedeutet üben, und zocken. Das ist alles etwas, was ich im Sport auch gehabt habe. Beim Diskuswerfen hat es nichts genützt, wenn man sechsmal den gleichen guten Wurf gemacht hat, du brauchtest EINEN der richtig weit war. Und so musste ich immer in bestimmten Dingen auch ein gewisses Risiko eingehen. Und das haut mal hin, mal haut’s nicht hin.

Jan Schwarz: Und wenn’s mal nicht hin haut?

Lars Riedel: …dann ist es überhaupt nicht schlimm! Es geht ja weiter!

Jan Schwarz: Wo gibt es deiner Meinung nach Parallelen zwischen Sport bzw. Leistungssport und Poker? Ist Poker eher ein typischer Zeitvertreib für Sportler oder bringen sie bestimmte Eigenschaften mit, die sie dafür prädestinieren?

Lars Riedel: Ein guter Sportler muss ohnehin relativ schnell Entscheidungen treffen können. Ich glaube, dass Sportler insgesamt sehr affin für Kartenspiele sind. Wir haben früher z.B. viel Skat gespielt – als typische Sachsen natürlich auch „Bierlachs“. Das war perfekt um nach dem Training ein bisschen runterzukommen, zum Entspannen und dabei trotzdem eine Aufgabe für den Kopf zu haben. Und als Sportler bist du in manchen Dingen einfach ein Zocker.

Lars Riedel

Jan Schwarz: Hast Du als „Zocker“ noch in weitere Sportarten abseits der Leichtathletik hineingeschnuppert?

Lars Riedel: 1992 nach meinem ersten Weltmeistertitel, wo ich für den USC Mainz angetreten bin, war mein erster Sponsor „Löwen“, die ja im Darts die erste Adresse sind. Und darüber bin ich dann in einem Show-Event in Ingelheim sogar gegen den Darts-Weltmeister angetreten. Als Sportler bist du eigentlich an allem interessiert, was mit Wettkampf zu tun hat.

Jan Schwarz: Es gibt ja auch immer mehr Fußballer, die nach ihrer Karriere auf dem Platz eine am Pokertisch in Angriff nehmen.

Lars Riedel: Fußballer, klar. Die hatten ja auch immer Zeit zum Kartenspielen, die haben im Vergleich zu den Leichtathleten ja auch nur einmal am Tag trainiert … die faulen Säcke (lacht).

Jan Schwarz: (lacht) Sehr schöner O-Ton!

Lars Riedel: Nein, die Fußballer, die ich kenne, sind alle keine Säcke … aber faul! (lacht)

Jan Schwarz: Ich wünsche ich dir weiterhin viel Erfolg und vor allem viel Spaß in den Pokerwettkämpfen, das nächste mal dann hoffentlich im passenden Turnierformat, wie z.B. einem Sit ’n‘ Go! Oder was wäre dein Wunschformat?

Lars Riedel: Mein großes Ziel wäre ja mal an einem Heads-Up Turnier teilzunehmen. Das erinnert mich sehr an den Sport. Das wäre ne geniale Geschichte. Im „Eins gegen Eins“ bekommt man dann doch feuchte Hände.

Jan Schwarz: Dann hoffe ich, dass du aus Diskus-Zeiten immer noch genug Magnesia für deine Heads-Up Karriere im Haus hast! (lacht)

Lars Riedel: (lacht) Ja, aber dann hat man markierte, gezinkte Karten. (lacht)

Jan Schwarz: (lacht) Danke für das Interview!

Lars Riedel: Gerne!

Lars Riedel (Foto: Darts meets Poker)
Lars Riedel (Foto: Darts meets Poker)
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Jan Schwarz

Jan Schwarz hat in Bamberg, Hannover und an der DJH in Aarhus (DK) Journalistik studiert. Er schreibt seit drei Jahrzehnten für Tageszeitungen, Sportmagazine und Sportagenturen. Vor allem seine Recherchearbeit zeichnet ihn aus. Seit 2006 war er für fast alle gängigen Pokermedien im Einsatz, u. a. als Chefredakteur von „donkmag“ und „Pokerblatt“. Am Pokertisch war und ist er rund um den Globus an den Turniertischen zu finden. Im WSOPE Main Event 2008 in London war er als 42. bester deutschsprachiger Teilnehmer. – Neben Poker verfolgt der sportbegeisterte Redakteur vor allem Motorsport, Radsport, Tennis und Politik. Außerdem ist er im Bereich Trading Cards und Collectibles ein wandelnder Almanach.