
Kurz nach dem WM-Finale erklärte die FIFA, bei keiner einzigen der 104 Partien verdächtige Wettaktivitäten oder Anzeichen für Spielmanipulationen festgestellt zu haben. Das internationale Überwachungsnetzwerk Group of Copenhagen, mitgegründet vom Europarat in Strassburg, sieht das anders und hat sieben sogenannte gelbe Hinweise registriert.
Weltverband und Überwachungsgremium mit gegensätzlichen Aussagen
Die Group of Copenhagen wurde 2016 vom Europarat zur Bekämpfung von Spielmanipulationen ins Leben gerufen und war bei der WM 2026 Teil der FIFA-Integritätsarbeitsgruppe. Das Gremium arbeitet mit einem dreistufigen Warnsystem: Gelb signalisiert erste Anhaltspunkte auf mögliche Unregelmässigkeiten und erfordert weitere Prüfungen, Orange steht für konkreten Verdacht, Rot für eindeutige Belege.
Alle sieben Hinweise blieben auf der niedrigsten Stufe. Manipulierte Spiele wurden damit nicht nachgewiesen. Dass die FIFA diese Warnhinweise in ihrer eigenen Abschlusserklärung mit keinem Wort erwähnte, sorgt nun jedoch für Kritik — auch in der Schweiz, wo der Weltverband seinen Sitz hat.
Balogun-Sperre und erstmals überwachte Prognosemärkte
Besonderes Aufsehen erregt einer der sieben Fälle: die kurzfristige Aufhebung der Sperre gegen US-Stürmer Folarin Balogun kurz vor Turnierbeginn. Auf der Prognoseplattform Polymarket sollen unmittelbar vor der offiziellen Bekanntmachung ungewöhnliche Wettbewegungen registriert worden sein. Prognosemärkte wurden bei einer WM erstmals systematisch überwacht.
Anders als klassische Wettbüros vermitteln diese Plattformen lediglich zwischen Käufern und Verkäufern, was die Nachverfolgbarkeit verdächtiger Aktivitäten erheblich erschwert. Für Schweizer Regulierungsbehörden dürfte das ein Signal sein, den Umgang mit solchen Plattformen neu zu bewerten.
Ob die FIFA als in der Schweiz ansässiger Weltverband künftig transparenter mit Warnhinweisen umgeht, bleibt eine offene Frage mit Relevanz weit über das Turnier hinaus.









