WSOP Player of the Year: And the Winner is…

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97 offene World Series of Poker (WSOP) Bracelet-Events (83 in Las Vegas, 14 im King’s Resort Rozvadov) sind Geschichte. Das Finish im Rennen um den Titel des “Player of the Year” (POY) könnte hätte kein Krimi-Autor besser schreiben können. Nach 96 Events war die Entscheidung um die prestigeträchtigste Overall-Wertung immer noch nicht gefallen, und sage und schreibe 4 Spieler waren im Colossus Event noch mit Titelchancen unterwegs.

Bragging Rights: Geld spielt keine Rolle / Die Pokerelite auf Titeljagd

Seit 2004 gibt es den Award für den WSOP Spieler des Jahres. Bislang hat es nur Daniel Negreanu geschafft diesen Titel mehr als einmal zu gewinnen (2004, 2013), sein liebster Pokerfeind Phil Hellmuth war als Zweiter (2011, 2012) zumindest nah dran an diesem Kunststück. Seit jeher machen die Allrounder Jagd auf den Titel, für den es kein Extra-Preisgeld gibt – im Gegenteil: Die Masse an nötigen Buy-Ins und Re-Entries ist oft ein Minusgeschäft, das sich nur ein sehr exklusiver Kreis an Spielern leisten kann. Seit 2011 zählen auch die Turniere der WSOP Europe (WSOPE) hinzu. Das aktuelle Scoring System wurde 2013 vom BLUFF Magazin eingeführt und berücksichtigt Buy-Ins und Größe der Teilnehmerfelder. In den letzten 3 Jahren ist geradezu ein Hype um den Titel ausgebrochen, der zu waren Teilnahmemarathons führt, bei denen über 20 Platzierungen im Preisgeld nötig sind, um vorn mitzumischen.

Die bisherigen Sieger im Überblick

JahrPOYLandBraceletsFTsitmWSOP Earnings ($)
2004Daniel NegreanuCAN156346.280
2005Allen CunninghamUSA1451.007.115
2006Jeff MadsenUSA2441.467.852
2007Tom SchneiderUSA233416.829
2008Erick LindgrenUSA1351.348.528
2009Jeff LisandroAUS346807.521
2010Frank KasselaUSA2361.255.314
2011Ben LambUSA1455.352.970
2012Greg MersonUSA2259.785.354
2013Daniel NegreanuCAN24101.954.054
2014George DanzerGER3510878.933
2015Mike GorodinskyRUS1381.766.487
2016Jason MercierUSA2411960.424
2017Chris FergusonUSA1323428.423
2018Shaun DeebUSA24202.545.623

Zinno, Campbell, Negreanu und Deeb im letzten Event noch mit POY-Chancen

Im dreitägigen Colossus Abschluss-Event, hatten sich alle vier im Rennen verbliebenen Spieler für Tag 2 qualifiziert: Anthony Zinno ging mit absoluten Aussenseiterchancen in den vorletzten WSOP-Tag des Jahres, der nach der WSOP Las Vegas Führende Robert Campbell, WSOP-Doppelsieger Daniel Negreanu (2004, 2013) und der POY des Vorjahres, Shaun Deeb, starteten das letzte Kapitel der 2019er Ausgabe im Synchronflug. Minimaler Punkteabstand in der Gesamtwertung und sogar ähnliche Chipstacks im Colossus Tag 2 sorgten für das Drehbuchende einer historischen WSOP-Saison.

Negreanu legt die Messlatte / Shaun Deeb mit dem Matchball

Und es sollte bis zum allerletzten Spieltag, dem Tag 3 des Colossus’ dauern, bis eine Entscheidung fiel. Daniel Negreanu, der sich erst mit dem 9. und letzten Startflight für Tag 2 qualifiziert hatte, konnte als 195. in dem 2738 Spieler großen Feld Punkte sammeln, Robert Campbell und Anthony Zinno endgültig hinter sich lassen. Shaun Deeb jedoch, schaffte es überragend in den Finaltag der letzten 11 vorzustoßen. Ein 5. Platz würde ihm den back-to-back-Erfolg als POY sichern – als Dritter im Chipcount und (zusammen mit Bertrand “ElkY” Grospellier) der erfahrenste Spieler im Turnier, eine machbare Aufgabe. Wie Deeb selber zugab, sah er sich zum ersten Mal als Favorit auf den Gewinn der prestrigeträchtigen Auszeichnung.

In nur 15 Minuten platzt der Titeltraum von Shaun Deeb

Doch der Traum vom ersten Player of the Year, der diesen Erfolg in aufeinanderfolgenden Jahren wiederholen kann, platzte in nur 15 Minuten am letzten Tag der WSOPE. Im Colussus Event verdoppelt der 4-fache Bracelet-Sieger erst seinen Kontrahenten Alessandro Pelozzi, verlor anschließend in der Folgehand noch einiges an Chips und pushte dann seine Two Pair am Turn gegen die gefloppte 2nd Nut Straight von Bertrand Grospellier, der ihn gerne callte. Deeb, der anschließend erst einmal frische Luft brauchte und auf dem schnellsten Weg den Pokerraum verließ, gab später zu, dass ihm die aussichtsreiche Situation einen klaren Kopf verwehrt hätte.

Daniel Negreanu schafft das Kunststück zum dritten Mal

Mit dem Ausscheiden von Shaun Deeb war klar, dass Daniel Negreanu sich zum dritten Mal zum WSOP Player of the Year kürt. Dafür hatte “KidPoker” einiges in die Waagschale geworfen. So war er für das POY-Rennen zum ersten Mal in das King’s nach Europa gekommen, und hatte nicht wenige Euro in Startgelder investiert, was ihm trotz 24 (!) Cashes ein sechsstelliges Minus overall einbrachte. Nicht wenige Pokerfans hatten dem ehemaligen Team PokerStars Pro die Daumen gedrückt, schließlich ist er einer der bekanntesten Pokerspieler der Welt, und nahm zudem die Zuschauer seiner WSOP(E) Vlogs täglich hautnah mit ins Rennen um den Titel.

JahrPOYLandBraceletsFTsitmWSOP Earnings ($)
2019Daniel NegreanuCAN05242.206.603

Daniel Negreanu sorgt für neue Rekorde

Mit dem Gewinn 2019 stellte der Kanadier gleich mehrere Rekorde auf. Nicht nur, dass er den Titel zum dritten Mal einheimste ist eine Bestmarke, sondern auch die 24 in-the-money Finishes auf dem Weg dorthin. Damit übertraf er die Marke von Chris Ferguson aus dem Jahr 2017. Ein weiteres Novum hat “DNeg” in diesem Jahr aufgestellt: Noch nie wurde ein WSOP Player of the Year Titel vergeben, ohne dass der Spieler in dem Jahr ein Bracelet gewann. Das unterstreicht die Entwicklung dieses Wettkampfs ganz klar: Mehr Masse statt Klasse. Nichtsdestotrotz ist diese spezielle Competition eine Bereicherung für die Zuschauer und Fans, da in diesem Wettkampf-im-Wettkampf gezielt einzelne Spieler über einen langen Zeitraum zu Protagonisten werden. Und wer freut sich nicht, seine Lieblingspokerspieler in riesigen Feldern, oft unbekannter Spieler, zu verfolgen.

2019 WSOP Player of the Year – Endergebnis

RANKNAMEPOINTS
1Daniel Negreanu4,074.88
2Robert Campbell3,961.31
3Shaun Deeb3,917.32
4Anthony Zinno3,322.00
5Phillip Hui3,186.17
6Daniel Zack3,126.13
7Dario Sammartino3,091.03
8Chris Ferguson2,997.10
9Kahle Burns2,983.37
10Dash Dudley2,860.79
11David "ODB" Baker2,808.51
12Phil Hellmuth2,742.43
13Asi Moshe2,685.53
14Ismael Bojang2,678.29
15Jason Gooch2,643.72
16Joseph Cheong2,595.54
17Jon Turner2,420.54
18Scott Clements2,368.02
19Rick Alvarado2,360.84
20Ari Engel2,359.27
21Joao Vieira2,341.14
22Denis Strebkov2,325.40
23Yueqi Zhu2,313.90
24James Anderson2,293.52
25Nick Schulman2,272.89
26Calvin Anderson2,254.12
27Upeshka De Silva2,224.07
28Hossein Ensan2,220.68
29David "Bakes" Baker2,186.53
30Roman Korenev2,165.67
31Bryce Yockey2,120.38
32Brandon Adams2,099.50
33Danny Tang2,083.78
34Quan Zhou2,069.37
35Yan Shing "Anson" Tsang2,067.80
36Anatolii Zyrin2,057.92
37Alex Foxen2,037.94
38Benjamin Heath2,037.20
39Daniel Strelitz2,032.04
40Michael Mizrachi2,031.35
41Dragos Trofimov2,023.28
42Manig Loeser2,012.35
43Ben Yu2,002.95
44Jake Schwartz1,979.35
45Benjamin Underwood1,941.49
46Jeff Madsen1,940.23
47Anatoly Filatov1,936.60
48Erik Cajelais1,931.39
49John Gorsuch1,916.91
50Shawn Buchanan1,915.49
51Brett Apter1,912.24
52Kevin Gerhart1,896.52
53Yuri Dzivielevski1,893.34
54Marcelo Giordano Mendes1,887.51
55Thai Ha1,876.82
56Ryan Leng1,868.73
57Josh Arieh1,826.54
58Steven Wolansky1,814.03
59Scott Bohlman1,805.56
60Alan Sternberg1,781.13
61Thomas Cazayous1,776.34
62Loren Klein1,767.30
63Chris Johnson1,762.98
64Noah Bronstein1,762.14
65Stephen Song1,748.14
66Abhinav Iyer1,735.55
67Tom Koral1,730.35
68Frankie O'Dell1,716.45
69Keith Tilston1,697.43
70Jeremy Pekarek1,685.41
71Nick Guagenti1,667.23
72Bertrand Grospellier1,652.69
73Kainalu McCue-Unciano1,649.82
74Yuval Bronshtein1,648.35
75Chance Kornuth1,647.83
76Alex Livingston1,621.67
77Ashish Ahuja1,620.43
78Justin Liberto1,617.38
79Richard Tuhrim1,610.92
80Mihai Niste1,608.99
81Benny Glaser1,593.89
82Scott Eskenazi1,587.55
83Ali Imsirovic1,583.05
84Mark Radoja1,582.58
85Ryan Hughes1,579.09
86Andrey Zaichenko1,573.12
87Joseph Couden1,569.09
88Dmitry Yurasov1,567.80
89Brian Hastings1,567.63
90Sejin Park1,549.03
91Greg Mueller1,540.40
92Kristen Bicknell1,536.93
93Mark Gregorich1,532.24
94Ivan Deyra1,527.94
95Dong Chen1,527.75
96Jeremy Saderne1,525.26
97Naor Slobodskoy1,509.43
98Mike Matusow1,505.45
99Matt Glantz1,488.84
100Brock Parker1,487.48

1 KOMMENTAR

  1. “und hatte nicht wenige Euro in Startgelder investiert, was ihm trotz 24 (!) Cashes ein sechsstelliges Minus Overall einbrachte.”

    Das stimmt überhaupt nicht?!?!

    Er hat Minus in Rozvadov gemacht, aber nicht Overall, Overall hat er über eine Million Plus gemacht.
    Wenn dann müsste es heissen trotz 7 Cashes in Rozvadov hat er in Rozvadov ein sechsstelliges Minus erbracht…